Bedeutung von Weltanschauung nach Duden

Gesamtheit von Anschauungen, die die Welt und die Stellung des Menschen in der Welt betreffen.
Beispiele:
  • eine idealistische, marxistische Weltanschauung
  • eine Weltanschauung verbietet es ihm, Gewalt anzuwenden
  • Gewaltanwendung ist gegen seine Weltanschauung
 

Synonyme zu Weltanschauung nach Duden

Anschauungsweise, Denkart, Denkweise, Einstellung, Gedankengang, Gedankenrichtung, Geisteshaltung, Gesinnung, Ideologie, Lebensauffassung, Meinung, Philosophie, Sinnesart, Weltauffassung, Weltbild, Weltschau, Weltsicht; (bildungssprachlich) Mentalität; (salopp) Denke.
 

Herkunft des Begriffs Weltanschauung nach Duden

18. Jahrhundert, ursprünglich = subjektive Vorstellung von der Welt

Unterschiedliche Weltanschauungen

Im Folgenden betrachten wir einige grundlegende, sich konkurrierende Weltanschauungen. Alle haben sie grosse Konsequenzen.
Materie (Ursache) = Geist (Wirkung)
  • Naturalismus: Annahme, dass alle Erscheinungen in der Natur ohne jede Transzendenz ausschließlich natürlichen Ursprungs sind („Alles ist Natur“).  
  • Materialismus: Idee, dass alle Vorgänge, Geschehnisse und Phänomene auf Materie und deren Gesetzmäßigkeiten zurückgeführt werden kann.
  • Determinismus: Auffassung, dass alle Ereignisse eine Ursache haben.
 Geist (Ursache) = Materie (Wirkung)
  • Theismus: Glauben, dass ein Gott oder mehrere Götter existieren, der/die den Kosmos geschaffen hat/haben, sowie erhaltend und lenkend in die Weltgeschichte eingreift/eingreifen.
  • Kreationismus: Überzeugung, dass ein Gott das Universum geschaffen hat, wie es z.B. in der Bibel (bei wörtlicher Interpretation) beschrieben wird.
  • Intelligent Design: Glauben, dass ein höheres Wesen in Funktion eines klugen Planers,. Konstrukteurs, Architekten, Baumeisters oder Ingenieurs das Universum geschaffen hat. Dabei wird keine bestimmte Offenbarung oder kein bestimmtes Gottesbild zu Grunde gelegt.

Frage: Hat nun die Materie den Geist oder hat der Geist die Materie geschaffen? Wer hat Recht?
Der österreichische Physiker und Nobelpreisträger Erwin Schrödinger (12. August 1887 in Wien-Erdberg; † 4. Januar 1961 in Wien-Alsergrund) antwortet:
„Es wäre sonderlich, ja lächerlich, wollte man meinen, der anschauende, bewusste Geist, der als einziger über das Weltgeschehen nachsinnt, habe erst irgendwann im Laufe dieses Werdens die Bühne betreten; er sei ganz zufällig aufgetreten, im Zusammenhang mit einer sehr speziellen biologischen Ausrüstung. […] Bevor das geschah, sollte das Ganze ein Spiel vor leeren Bänken gewesen sein? […] Wir wissen: Wenn Gott erlebt wird, so ist das ein Erlebnis, genauso real wie eine unmittelbare Sinnesempfindung oder wie die eigene Persönlichkeit. Wie diese muss er im raumzeitlichen Bilde fehlen. ‚Ich finde Gott nicht vor in Raum und Zeit‘, so sagt der ehrliche naturwissenschaftliche Denker. Und dafür wird er von denen gescholten, in deren Katechismus steht: ‚Gott ist Geist.‘“ (Geist und Materie, Diogenes Verlag, Zürich 1989, S. 91.92.98)
 

Moderne Naturwissenschaft
 

Der britische Chemiker und Professor an der Universität in Oxford Peter W. Atkins (10. August 1940 in Amersham) schreibt:
„Die Menschheit sollte akzeptieren, dass die Wissenschaft die Rechtfertigung des Glaubens an einen kosmischen Sinn [oder Ziel oder Zweck] beseitigt hat, und dass jeglicher Fortbestand eines Sinnes einzig Empfindungen geschuldet ist.“ (P. Atkins (1992): Will Science ever Fail? New Scientist 135 (1833), 32-35)
 
 
 
Der britische Zoologe, Evolutionsbiologe und bis 2008 Professor an der Universität Oxford Richard Dawkins (26. März 1941 in Nairobi) fügt hinzu:
„Das Universum, das wir beobachten, hat genau die Eigenschaften, die wir erwarten, wenn es im Grunde kein Design, keine Absicht, kein Gut und Böse besitzt, sondern nichts als erbarmungslose Gleichgültigkeit.“ (Richard Dawkins – A Scientist's Case Against God, Science, Aug. 1997, S. 892)
 
 
Der britische Biologe, Physiker, Theologe und Professor an der Universität in Oxford Alister McGrath (23. Januar 1953 in Belfast) erklärt:
„Wir sehnen uns danach, sinnvolle Zusammenhänge herzustellen. Wir sehnen uns danach, das Gesamtbild zu sehen, die größere Geschichte zu erfahren, in der unsere eigene Geschichte ein kleiner, aber dennoch bedeutsamer Teil ist. […] Die Welt um uns herum, scheint mit Hinweisen auf eine größere Schau des Lebens übersät zu sein. […] Manche sind der Überzeugung, dass kein solches Gesamtbild existiert, kein sinnvolles Muster, keine tiefer liegende Struktur des Kosmos. […] Diese Position findet sich in den Schriften des bekannten Atheisten Richard Dawkins. Entschieden und überzeugt erklärt Dawkins, die Wissenschaft biete die besten Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Die Wissenschaft sage uns, dass es keinen tieferen Sinn in der Struktur des Universums gebe. Das Universum kenne ‚kein Absicht, kein Gut und Böse… nichts als blinde, erbarmungslose Gleichgültigkeit.‘“ (A. McGrath (2014): Der Gottesplan – Glaube, Wissenschaft und der Sinn hinter den Dingen. Brunnen Verlag, Gießen, S. 9 und 11)
Wie wir deutlich ersehen können, ist die Folge von dieser modern gewordenen weltanschaulichen Haltung ein nihilistisches Denken voller Nichtigkeit, Sinnlosigkeit alles Bestehenden und Seienden, die alle positiven Zielsetzungen, Ideale, Werte ablehnt; eine völlige Verneinung aller Normen und Werte.
 

Gründe für Nihilismus

 
Der Prof. Richard Dawkins fordert in seiner Stiftung „Fundation für Vernunft und Wissenschaft“ (siehe http://de.richarddawkins.net):
„Mehr Denken - Weniger Glauben!“ Weil: „Ein Leben ohne den Glauben an übernatürliche Kräfte ist gut, lebenswert und zeitgemäß.“
Bei diesem „zeitgemäßen“ Denken besteht das Universum lediglich aus Fakten aber Wert und Schönheit wird leider oft vergessen und weil Wunder kategorisch abgelehnt werden, geht auch die Fähigkeit sich zu wundern verloren. Die Naturwissenschaft ist wie ein Blick durch das Mikroskop, durch das man Moleküle sehen kann, doch dadurch ist der Blick auf das herrliche grosse Ganze ausgeschaltet. Wenn wir in den Sternenhimmel schauen, dann fühlen wir uns klein und unbedeutend aber sind wir auch vergessen? Wenn es der Wahrheit entspricht, das Universum kenne „keine Absicht, kein Gut und Böse […] sondern nichts als erbarmungslose Gleichgültigkeit“, ist das dann wirklich „lebenswert“? Und wenn wir bedenken, dass sich die Erde mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 29,78 Kilometern pro Sekunde bzw. mit rund 107.000 Kilometern pro Stunde um die Sonne bewegt, ohne Steuer, Karte und Kompass auf einem unbekannten Ozean, ist das dann wirklich „gut“? Ist das nicht ein beängstigender Gedanke?
 

Friedrich Nietzsche

Für den deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche (15. Oktober 1844 in Röcken; † 25. August 1900 in Weimar) ist der Nihilismus die Folge vom Verlust des Glaubens an einen Gott und führt zu einer destruktiven Weltauffassung und damit zum Verlust aller bisherigen Werte.
Nietzsche erklärt:
„Was bedeutet Nihilism? Dass die obersten Werte sich entwerten.“ (Studienausgabe von „Sämtliche Werke“, 1980, Band 12, S. 313)
Der Nihilismus ist also ein Niedergang der Werte und ein Übergang zur Sklavenmoral. In der Folge entstehen Desorientierung und Unklarheit, deren höchste Ausprägung der Nihilismus in seiner reinen Form ist. Nach Nietzsche könne ein Sinn nur durch willentliche Bejahung der Welt erreicht werden.
„Wer das Große nicht mehr in Gott findet, findet es überhaupt nicht [...] und muß es entweder leugnen oder selbst schaffen“. (Studienausgabe von „Sämtliche Werke“, 1980, Band 10, S. 32)
Nietzsche suchte aber „das Große“ nicht in Gott, sondern erschuf sich selbst eine Vorstellung der ewigen Wiederkehr, dass alles Geschehende schon unendlich oft geschah und unendlich oft wiederkehren wird.
Nietzsche schrieb:
 
„Denken wir den Gedanken in seiner furchtbarsten Form: das Dasein, so wie es ist, ohne Sinn und Ziel, aber unvermeidlich wiederkehrend, ohne ein Finale ins Nichts: ‚die ewige Wiederkehr‘. Das ist die extreme Form des Nihilismus: das Nichts (das ‚Sinnlose‘) ewig!“ (Studienausgabe von „Sämtliche Werke“, 1980, Band 12, S. 213)
Es liegt auf der Hand, dass Sinnhaftigkeit der Existenz so nicht gefunden werden können, wie das auch bei der materialistischen Weltanschauung der Fall ist.
Nietzsche selbst hat das treffend formuliert:
„Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie.“
 
Das Ende Friedrich Nietzsches ist bezeichnend. Er wurde psychisch krank, verbrachte sein restliches Leben in der Psychiatrie und starb mit nur 55 Jahren geistig völlig umnachtet. So wie Nietzsche ergeht es vielen. Letzten Endes verliert man sich im Nihilismus und ist sich selbst ein Gesetz.
 
 

Darwinismus

 
Wenn es tatsächlich der Wahrheit entspricht, das Universum kenne „kein Absicht, kein Gut und Böse […] nichts als blinde, erbarmungslose Gleichgültigkeit“, so wie es Dawkins formuliert, dann gibt es keine Richtschnur im Leben und keinen Maßstab für die Moral.
1859 veröffentlichte Charles Darwin (12. Februar 1809 in Shrewsbury, England; † 19. April 1882 in Downe, England) sein bahnbrechendes Buch über die „Entstehung der Arten durch natürliche Auslese“ (so die deutsche Übersetzung). Darin beschrieb Darwin die natürliche Auslese (od. natürliche Selektion) von überlebensfähigem Erbmaterial. Eine natürliche, von Generation zu Generation ständig erneuerte Auslese der am besten angepassten Tier- und Pflanzenarten sei die Haupttriebkraft der Evolution zu neuen Arten. So schreibt er am Ende seines Werkes, dass „aus dem Kampf der Natur […] die Erzeugung immer höherer und vollkommenerer Wesen“ hervorgehe, während die Selektion gleichzeitig „das Aussterben der minder verbesserten Formen veranlasst“ (Charles Darwin - Die Entstehung der Arten, 6. Auflage 1872, S. 678)
Wenn Darwins These vom „Kampf um das Dasein“ oder wie es Herbert Spencer nannte: „Im Überleben des am besten Angepassten“, der Wahrheit entspricht, dann ist die Existenz von Gewissen und Ethik evolutionsbiologisch nicht zu begründen, die sich wohl kaum in einem seit Millionen von Jahren andauernden „Kampf um das Dasein“ entwickelt haben. Ein Gewissen ist sehr ungünstig für ein skrupelloses und auf den eigenen Vorteil bedachtes Überleben. Werte, wie z. B. das Leben von alten und schwachen Menschen zu achten und nicht zu vernichten, sind dann überholt.
Über die positive Auswirkung der natürlichen Zuchtwahl auf die zivilisierten Völker schrieb Darwin:
„Bei Wilden werden die an Geist und Körper Schwachen bald beseitigt und die, welche leben bleiben, zeigen gewöhnlich einen Zustand kräftiger Gesundheit. Auf der andern Seite tun wir zivilisierte Menschen alles nur Mögliche, um den Prozess dieser Beseitigung aufzuhalten. Wir bauen Zufluchtsstätten für die Schwachsinnigen, für die Krüppel und die Kranken; wir erlassen Armengesetze und unsere Ärzte strengen die grösste Geschicklichkeit an, das Leben eines Jeden bis zum letzten Moment noch zu erhalten. […] Hierdurch geschieht es, dass auch die schwächeren Glieder der zivilisierten Gesellschaft ihre Art fortpflanzen. Niemand, welcher der Zucht domestizierter Tiere seine Aufmerksamkeit gewidmet hat, wird daran zweifeln, dass dies für die Rasse des Menschen im höchsten Grade schädlich sein muss. Es ist überraschend, wie bald ein Mangel an Sorgfalt oder eine unrecht geleitete Sorgfalt zur Degeneration einer domestizierten Rasse führt; aber mit Ausnahme des den Menschen selbst betreffenden Falls ist wohl kaum ein Züchter so unwissend, dass er seine schlechtesten Tiere zur Nachzucht zuliesse.“ (Charles Darwin - Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, Übersetzung von J. Victor Carus, 3. Auflage, Band 1, 1875, S. 174.)
Als Charles Darwin am 19. April 1882 im Alter von 73 Jahren starb, soll er sich auf seinem Sterbebett zu Gott bekehrt haben, wie seine gläubige Ehefrau später versicherte. Elf Jahre zuvor sagte er jedoch:
„Ich habe wenigstens, wie ich hoffe, einen guten Dienst getan, dazu beizutragen, das Dogma der separaten Schöpfungen umzustürzen.“ (Charles Darwin - Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, 1871, S. 153)
Offensichtlich war das sein Ziel von Anfang an. Auch heute noch wird an den Hochschulen und Universitäten die Evolutionstheorie gelehrt. Den Kindern und Jugendlichen wird beigebracht, dass sie im Grunde nur Tiere sind, die sich aus niederen Lebensformen schritt für schritt entwickelt hätten. Ist da das Affentheater auf der Welt ein Wunder?

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